09/20/2010
Verteidigungshaushalte Wenn man die Verteidigungshaushalte der 27Mitgliedsländer der Europäischen Union
addiert, stellt man fest, dass in Europa jedes Jahr etwa 200 Milliarden Euro
für Verteidigung ausgegeben werden. Das ist beim derzeitigen Wechselkurs
unserer Währung fast die Hälfte der Ausgaben der Vereinigten Staaten, aber die
Effizienz liegt nach der Einschätzung von Experten zwischen zehn und 20
Prozent.
Einer der Gründe dafür
ist die Tatsache, daß ein gemeinsamer Markt im Bereich von Sicherheit und Verteidigung
erst im Entstehen begriffen ist. Der Vertrag enthält eine Ausnahmebestimmung von
den Regeln des Europäischen Binnenmarktes für den Bereich der Verteidigung für
den Fall, daß wesentliche Sicherheitsinteressen berührt werden (Art.296).
Jahrzehntelang haben die
Mitgliedsländer diese Bestimmung sehr extensiv angewendet. Die Richtlinien der Europäischen Union zur
Europäischen Ausschreibungund zum
innergemeinschaftlichen Austausch von Rüstungsgütern, die von Parlament und Rat
verabschiedet wurden, sind erste Schritte zur Verwirklichung des Binnenmarktes
in diesem Bereich.
Ein weiterer Grund für
die Aufsplitterung dieser Märkte ist die
Tendenz, das Rad nicht einmal sondern 27-mal zu erfinden. Bestehende
Möglichkeiten der Zusammenarbeit werden nicht genutzt. Und auch da, wo sich
Mitgliedsländer der Gemeinschaft zu gemeinsamen Projekten zusammengefunden
haben, sind die gemeinsamen Strukturen für Planung und Umsetzung noch nicht
ausreichend entwickelt.
Helikopter
Ein gutes
Beispiel dafür sind unsere Defizite bei Helikoptern. Für den europäischen
Einsatz im Tschad war es nicht möglich, vier dringend gebrauchte Hubschrauber
in einem der Länder der Union zu finden. Schließlich wurden sie uns
erfreulicherweise von Russland zur Verfügung gestellt.
Bei der
Lieferung des neuen europäischen Hubschraubers NH 90 treten immer wieder
Verzögerungen auf. Das ist unter anderem dadurch bedingt, dass im Bereich von
Sicherheit und Verteidigung keine
gemeinsame Zulassung gibt und dass diese Fluggeräte in jedem Mitgliedsland
separat zugelassen werden müssen. Allein bei diesem Projekt entstehen dadurch zusätzliche
Kosten in der Höhe von vier Milliarden Euro. Hier gilt es gemeinschaftliche
Zulassungsverfahren zu entwickeln, wie sie im zivilen Bereich bereits bestehen.
Forschung,
Binnenmarkt, Verteidigungsagentur
Bei dem
anstehenden Sparprogramm im Verteidigungshaushalt müssen diese Potenziale
genutzt werden. Dazu gehört mehr gemeinsame Forschung und Entwicklung, die
zunehmende Anwendung der Regeln des Binnenmarktes auch in diesem Bereich und
insbesondere die Stärkung der Europäischen Verteidigungsagentur.
Aufklärung,
Navigation, Telekommunikation, Transport
Möglichkeiten für mehr Zusammenarbeit bestehen
auch bei der satellitengestützten Aufklärung, Navigation und Telekommunikation,
wie auch beim Luft- und Seetransport.
In den vergangenen Jahrenist es gelungen, Mittel für
Sicherheitsforschung, wie auch für Satellitennavigation und Beobachtung im
Haushalt der Europäischen Union zu verankern. Für Kopernikus, Galileo und das
Programm für Sicherheitsforschung sind das mehr als fünf Milliarden auf sieben
Jahre.
Wichtig ist, daß das Europäische Parlament
gefordert hat, daß das Satellitennavigationssystem Galileo auch für die
Einsätze von Streitkräften im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und
Verteidigungspolitik zur Verfügung stehen soll. Damit wurde deutlich, daß die
Sicherheitsstrategie der Europäischen Union, deren breiter Ansatz von der
Bekämpfung von Naturkatastrophen und humanitären Missionen bis zu militärischen
Einsätzen reicht,ein solides
politisches Fundament hat.
Weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit bestehen
bei der nächsten Generation der satellitengestützten Aufklärung. Während der
Krise in Georgien standen die Informationen unserer nationalen
Satellitenbeobachtungsprogramme auf der europäischen Ebene nur bedingt zur
Verfügung. Auch bei der Überwachung der Einhaltung des
Nichtverbreitungsvertrages und bei der Beobachtung des Weltraumes sind
gemeinsam finanzierte europäische Programme unbedingt erforderlich.
Dieses insbesondere auch aus dem Grunde, dass die Defizite bei Transport, Logistik und
Aufklärung bei zivilen und militärischen Einsätzen oft dieselben sind. Bei der
desolaten Situation der öffentlichen Haushalte wäre es verantwortungslos, die
hier bestehenden Einsparungsmöglichkeiten nicht zu nutzen.