„Bei
dem Aufbruch der Staaten Nordafrikas hin zu einer freiheitlichen
Ordnung ist die Europäische Union nicht den Erwartungen gerecht
geworden, die an sie gerichtet werden müssen. Besonders
schmerzlich war, dass sich die Mitgliedsländer bei der Umsetzung
der Beschlüsse des Sicherheitsrates nicht auf eine gemeinsame
Haltung einigen konnten.
Die
Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union ist als
Reaktion auf eine ähnliche Situation entstanden. Die Bürgerkriege
auf dem Balkan hatten deutlich gemacht, dass die Union zumindest in
ihrem geographischen Umfeld dazu in der Lage sein muss, den Frieden
zu sichern. Wenn
in Konfliktfällen alle anderen Mittel versagen, muß die Union auch
dazu in der Lage sein, Streitkräfte einzusetzen. Das Ziel der
Europäischen Sicherheitsstrategie ist die autonome
Handlungsfähigkeit der Union. Die
Diskussion über das Flugverbot in Libyen hat jedoch gezeigt, dass
die immer wieder beschworene autonome Handlungsfähigkeit der
Europäischen Union auch mehr als zehn Jahre nach den Beschlüssen
von Helsinki noch immer nicht erreicht wurde
Die
Begleitung der Freiheitsbewegungen auf der anderen Seite des
Mittelmeers ist in erster Linie eine politische und nur bedingt eine
militärische Angelegenheit. Darum sind die Instrumente der
Europäischen Union besser dazu geeignet als die der Nato. Dabei ist
der partnerschaftliche Ansatz der Mittelmeerpolitik der Europäischen
Union von entscheidender Bedeutung. Aus
diesem Grunde ist es nicht hinnehmbar, daß die geplante humanitäre
Intervention der Europäischen Union noch immer weiter verzögert
wird. Hier muß die Europäische Union beweisen, daß sie dazu in der
Lage ist, solidarisch über die Grenzen des Mittelmeeres hinweg zu
handeln.